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Gedichte sind ein Spiegel der menschlichen Gefühle und Emotionen. Sie stimmen lebenslustig, sind traurig, erotisch, melancholisch, mal liebevoll, nachdenklich oder freundschaftlich gesinnt. Egal in welcher Gedichtform der Dichter seine Gedanken zum Ausdruck bringt, er wird damit eine bestimmte Empfindung beim Lesenden hervorrufen.
Während die Prosa in blumigen Farben erzählt, drückt ein Gedicht mit wenigen Zeilen und prägnanten Worten eine komplette Gemütsbewegung aus. Manchmal ist der Vers in Reimform gehalten oder die Poesie beherrscht die Zeilen. Moderne Gedicht enthalten zeitkritische Aussagen oder stellen alltägliche Probleme in den Mittelpunkt. In dieser Stilrichtung hat sich auch eine gänzlich neue Musikrichtig entwickelt, die mit deutschsprachigen Pop der Jugend mehr oder weniger die Lyrik vermittelt. Somit ist der Bogen zur mittelalterlichen Geschichte erneut gespannt, wo diese Form des Vortrages äußerst populär war.
Gedichte werden überall auf der Welt verfasst und sind ein jeweils zeitgemäßes Kulturgut. In ihnen finden sich die Traditionen und Denkweisen unterschiedlichster Völker wieder und überdauern die Epochen. Interpretationen einzelner Aussagen können dabei stets divergierend angesehen werden.
Gedichtarten
Gedichte werden in verschiedenen Arten niedergeschrieben und auch melodisch vertont. Deshalb ist das Lied und der Liedtext ebenso eine Gedichtform, wie die feierliche Ode, das naive Kindergedicht oder das blumige Prosagedicht sowie unzählige Reime. Eine traurige Elegie, ein Figurengedicht, ein kindliches Elfchen, Sonetten (Klanggedichte) und mehrstrophige Gedichte (z.B. Sestine) gehören zum weiteren Schaffenskreis.
Altertümliche Gedichtarten sind unter anderem der Minnesang, Terzine, die asiatische Ghasele, die Chorlyrik, usw. Moderne Gedichtformen hingegen sind der Rap, inzwischen wieder das Volkslied, Dinggedichte, Limericks oder die Naturlyrik, etc. Nicht ganz eindeutig zuzuweisen sind Balladen oder Hymnen. Viele internationale Gedichtarten werden zudem mit eigenen Namensgebungen versehen, z.B. Haiku, Senryu, Clerihew, Haibun, etc.
Aufgrund ihrer unsagbaren Vielseitigkeit, findet sich ein Gedicht für jeden Anlass, zu jeder Stimmungslage und für alle gelebten Emotionen. Mit einem Gedicht kann zudem eine persönliche Aussage getroffen bzw. verpackt werden. Bei solchen Vorhaben kann auf ein Bestehendes zurückgegriffen oder gar ein Eigenes verfasst werden. Wichtig ist der Inhalt und der gehaltvolle Ausdruck, um seine Gedanken zu definieren.
Gedichtthemen
Die Themen der Gedichte beziehen sich natürlich auf alles und jeden. Größter Beliebtheit erfreuen sich die Liebesgedichte, die schon zahlreiche Liebesbriefe zierten und gerne in den gefühlvollsten Momenten dargeboten werden. Eine intimere Form dazu sind erotische Gedichte, eine offenere Form so genannte Kussgedichte, die wohl traurigste Verfassung ein Abschiedsgedicht. Den Charakter einer Freundschaft zu beschreiben, kann mit einem klassischen, zugleich gefühlvollen Freundschaftsgedicht einhergehen.
Gedichte rund um die Natur beziehen sich auf die Jahreszeiten, auf verschiedene Bäume und Blumen, auf die Sonne und den Mond, die Gezeiten, das Wasser und die Erde, die Luft und die Unendlichkeit der Weite. Ideal passend hierzu sind Tiergedichte und die Beschreibung einzelner Länder, Städte und toller Naturschauspiele, wie beispielsweise ein Regenbogen, ein Wasserfall oder eine Schneeflocke.
Spezielle Kindergedichte sollten für die Kleinen leicht verständlich und gut zu merken sein. Meist sind sie deshalb in melodiös klingender Reimform verfasst. Für größere Kinder kommt der lustige Limerick in Frage, ein Gedicht aus fünf Zeilen bestehen. Kinder sind zudem ganz vernarrt in Bildergedichte, die oftmals in wunderschönen Buchbänden angeboten werden.
Generell wird gerade bei den Gedichten ein großer Aufwand mit der Illustration betrieben. Sei es in eigener, handschriftlicher Überreichung, als graphisch bearbeiteter Computerausdruck oder eine offizielle Druckversion, die vielmals mit wunderschönen Fotografien oder passenden Grafiken bzw. Gemälden ergänzt werden. Bei vertonten Gedichten gehört der musikalischen Performanz die komplette Aufmerksamkeit der Zuhörer. Nicht umsonst hat der Mensch inzwischen internationale Charts ins Leben gerufen.
Berühmte Gedichte
Die Eleganz und die Erlesenheit eines Gedichtes lässt schnell auf seinen Verfasser zurückschießen, ganz besonders bei den berühmten, meist zeitlosen Gedichten. Goethes “Erlenkönig” ist sicherlich ebenso ein Beispiel hierfür, wie Rilkes “Panther” oder Schillers “Ode an die Freude”.
Zu einer weiteren Aufzählung berühmter Gedichte zählt sicherlich das Kind oder das Karussell (Rilke), das Lied von der Glocke oder die Bürgschaft (Schiller), die Liebenden oder die Lösung (Brecht), Deutschland - ein Wintermärchen (Heine), der Knabe im Moor (Droste-Hülshoff), die Schnupftabakdose (Ringelnatz), Ilmenau (Goethe) und viele, viele mehr.
Manch prominenter Schauspieler zitiert gerne und in hervorragender Gestik einige Gedichte innerhalb einer speziellen Bühneninszenierung (Vorlesung). Diese Auftritt sind ein besonderer Genuss für alle Liebhaber von klassisch anspruchsvollen und in der Regel sehr berühmten Gedichten. Oftmals ist es Rilke und Brecht, die hier das Interesse des breiten Publikums entfachen können.
Im Fachbuchhandel lesen des Öfteren neue, wenngleich viel versprechende Autoren aus eigenen Werken und bieten damit einen ganz besonderen Einblick in die persönliche Gefühlswelt. Hat man die Gelegenheit des Zuhörens, kann man Zeitzeuge eines vielleicht einmal sehr berühmten Gedichtes werden.
Emotionen & Anlässe
Gedichte sind für nahezu jeden Anlass in üppiger Bandbreite vorhanden. Motiv kann ein Geburtstag, eine Hochzeit, die Geburt eines neuen Erdenbürgers oder die Taufe, der Muttertag oder Valentinstag, Neujahr oder Ostern, Weihnachten oder Pfingsten, die Trauer und vieles mehr sein. Je nach Beweggrund veranlasst das Gedicht dann zur Freude, zur nachdenklichen Besinnung, zur Trauer oder Melancholie, zur Religiosität oder zur Dankbarkeit.
Ein Anlass kann gleichzeitig auch die Ursache für Emotionen darstellen. Und gerade Gedichte sind das wahre Synonym in Schriftform für eine gelebte bzw. empfundene Emotion. Vor allem Gedichte, die das Herz und somit die intimsten Empfindungen berühren, rufen unterschiedlichste Gemütsbewegungen beim Lesen oder Hören hervor. Die wohl emotionalste Gefühlswelt ist innerhalb eines Liedes zu spüren und wird dem entsprechend von den Menschen gelebt.
Mit der Musik können einzelne Worte nochmals in der Bedeutung markiert werden. Refrains bekommen durch ihre Wiederholungen einen besonderen Stellenwert in den Gedächtnissen, identifizieren sich überdies mit wahren Gegebenheiten. Musik kann somit Freude oder Melancholie ausdrücken, sie kann Trauer bekämpfen, die Liebe erleuchten oder den Tag beschwingter gestalten.
Ein Gedicht ist deshalb ein Zufluchtsort zum Träumen, Nachdenken und manche Situation zu erkennen. Es ermöglicht, je nach Verfassung, die emotionale Tiefe zu durchlaufen und dabei Glück oder Unglück zu leben.
Lyrik
Die Lyrik stellt im Zusammenspiel mit der Epik und der Dramatik die Trilogie der poetischen Gattung dar. Der Unterschied zwischen der ausgeschmückten Dichtung (Poesie) zum Gedicht ist in der Regel der Gebrauch und die Anordnung der einzelnen Worte. Während die Poesie in einem langatmigen Textfluss erscheint (z.B. eine Erzählung), ist die Lyrik in orientierten Zeilenaussagen entsprechend kurzatmig und prägnant gehalten. Gedichte können aus nur zwei Zeilen bestehen (Distichon).
Die Musik, der Gesang und die Lyrik sind eng miteinander verwoben. Der aus dem Griechischen stammende Begriff “Lyrik” geht dabei auf die Lyra zurück, ein antikes Saiteninstrument. Die Entwicklung der Gedichte war niemals vorhersehbar, die Dichter bildeten eine eigenständige Kunst innerhalb der Worte. Das Silbenspiel oder der bewusste Einsatz einzelner Buchstaben, wiederkehrende Wortfolgen und zwischengeschobene Reimzeilen. Die Entstehung jedes einzelnen, anerkannten Werkes ist Literatur der Extraklasse.
An Universitäten ist die Thematik der Lyrik eine spannenden Aufgabenstellung. Professoren und Stundenten versuchen gleichermaßen, die Hintergründe der Dichter und Denker zu ergründen und ihre literarischen Werke im Detail zu entdecken. Es gilt jedoch wahrzunehmen, dass ein Gedicht oft das Innerste des Verfasser offenbart und nicht immer Thesen und Theorien festzustellen sind. Wer sich das Geheimnis der Schaffung bewahrt, wird das Geschenk der emotionalen Empfindung beim Lesen entgegen nehmen.
Historie
Die Lyrik besteht wahrscheinlich seit Menschen Gedenken, in Relation mit der Sprachentwicklung und kann bis zur Antike, vor allem der Zeit der Griechen und Römer, zurück verfolgt werden. Bekannte Vertreter von dazumal waren der Ägypter Echnaton, der Grieche Archilochos und der Römer Ovid. Einige Jahrhunderte später, während des Mittelalters (z.B. Walther von der Vogelweide), wurde sie dann durch den Minnesang völlig neu geprägt und erhielt dabei nachhaltig den bis zur heutigen Moderne populären, zusammenhängenden Charakter zur Musik. Hinzu kam damals noch die Entwicklung der geistig, religiösen Lyrik (z.B. Martin Luther).
Deutschland, einst das Land der Dichter und Denker, prägte entscheidend die weltweite Lyrik. Die Entstehung der Meistersinger ab dem 15. Jahrhundert, die überwiegend aus bürgerlichen Dichtern und Sängern der Handwerkszünfte bestand, wurde mit Werken von Hans Sachs bereichert. Kurz darauf folgten die Ausnahmedichter Goethe und Schiller und ab dem 19. Jahrhundert begann die Neuzeit der Lyrik.
Inzwischen “up to date” ist der Rap und die Hip-Hop-Kultur, die sich stark auf die Lyrik beziehen. Moderne Musik, die in allen Sprachen erklingt und deren Sprechgesang mit zeitkritischen Themen oder Poesie konfrontiert.
Lyrikformen
Die Lyrik ist Teil der poetischen Trilogie. Vereint mit der Epik und der Dramatik stellt sie das völlig umschließende Gesamtwerk der Dichtkunst dar. Die Epik, in der das griechische Wort “Epos” (das Wort, der Vers) enthalten ist, benennt die Verse und Prosaerzählungen. Bezeichnend für die Epik ist beispielsweise die Erzählform, aus Sicht eines Erzählers wird dem Leser eine Gesichte dargeboten. Aber auch die lebhaft mitteilende Ausschmückung von Geschehnissen sowie die Vergegenwärtigung von Zuständen und Situationen sind Teile der Epik. Bekannte Epik-Werke sind Romane, Märchen und Fabeln, Legenden, Gleichnisse, Novellen, Anekdoten, Sagen, Kurzgeschichten, die Satire und viele mehr.
Inhalt der Dramatik ist das beschriebene Drama, die Handlung in Dialogform. Die Theaterwelt ist dieser literarischen Gattung völlig zugetan und hat alle bedeutende Stücke auf den großen Bühnen der Welt dramaturgisch inszeniert. Als dramaturgisches Theaterstück wird das Drama in Akte geteilt, die in Szenen und einzelne Auftritte nochmals unterteilt sind. Inszenierungsformen sind unter anderem die Oper, die dramatische Komödie, die Tragödie, usw.
Berühmte Lyriker
Berühmte Lyriker lebten auf der ganzen Welt. Wobei die einstigen europäischen Dichter die imposantesten Werke der Nachwelt hinterließen, die noch heute teilweise zeitgenössisch erscheinen. William Shakespeare, Wolfgang von Goethe, Dante Alighieri, Friedrich Schiller, Michelangelo, Edgar Allan Poe, Rainer Maria Rilke, Gertrude Stein, Berchtold Brecht, Heinrich Heine, Erich Kästner, Annette von Droste-Hülshoff und viele mehr sind an dieser Stelle zu erwähnen.
Aber auch John Milton, Friedrich Hölderlin, Eduard Mörike, T.S. Eliot, Theodor Storm, Franz Grillparzer, Thomas Mann, Adam Mickiewicz, Paul Celan, Wolfram von Eschenbach, Cao Cao, Michael Ende, Henry Wadsworth, Heinrich Böll, Alexander Puschkin, Günter Grass, Peter Rosegger, Voltaire, Stefan Zweig, Heinrich von Kleist, Joachim Ringelnatz und viele mehr sind zu nennen.
Zitate & Sprüche
Zitate sind wörtlich entnommene Textstellen aus einem Schriftstück (auch Musik oder Bild) durch eine Drittperson. Im Falle eines Gedichtes kann es eine einzelne, prägnante Aussage sein oder eine mehrzeilige Passage. Diese Stelle wird in der Regel im Zusammenhang mit der Nennung des Verfassers zitiert (mündlich oder schriftlich). Eine besondere Form ist das Großzitat, bei dem nahezu der komplette Text übernommen wird. Generell besteht beim Zitat immer das geltende Urheberrecht.
Berühmte Zitate finden in Vorträgen oder Reden schnell einen Sinn und werden deshalb gerne eingebunden. Ansonsten bemerken es gerade belesene Menschen kaum, wie oft sie bestimmte Textpassagen im Alltag wiedergeben. Der Übergang zwischen Zitaten und Sprüchen ist oft fließend. Eine bestimmte, textliche Darlegung in einem Gedicht kann als Spruch verwendet werden. Oder Sprüche können überdies persönliche Aussagen berühmter Schriftsteller zu einem Gedicht sein.
Ein berühmtes, eindeutiges Zitat von Wolfgang von Goethe: “mit dem Wissen wächst der Zweifel”. Hingegen die Aussagen von Saint Exupery aus seinem Buch “der kleine Prinz”, z.B. “man sieht nur mit den Herzen gut…”, werden oftmals als Spruch und Zitat gleichermaßen angewandt.
Fazit
Das Gedicht ist Teil der klassischen Literatur und eine absolute kulturelle Bereicherung für die ganze Menschheit. Kaum eine Kunst kann soviel menschliche Emotionen erzielen, wahre Persönlichkeit ausstrahlen und gleichzeitig echte Gefühle vermitteln, wie das Gedicht und dessen musikalische Vertonung.
Es gibt unzählige Lebenssituationen, in denen der Mensch auf ein Gedicht zurück greift. Manchmal bewusst, manchmal unbewusst, aber stets mit direkten Empfindungen. Gedichte können zum Leitbild werden, ein Leben lang Begleiter sein oder bei ihrer Entdeckung eine absolute Zuneigung auslösen.
Unzählige Personen haben schon einmal selbst ein Gedicht verfasst. Meist in einer Zeit, in der sie die Liebe spüren, eine tiefe Trauer die Seele bewegt oder ein eigenes Kind das Licht der Welt erblickt. In diesen großen Gemütslagen ist der Griff zu Papier und Stift manches Mal die Bewältigung der Lebenslage.
Kinder gehen mit Gedichten sehr ungezwungen und naiv zu Werke. Sie erleben vor allem den Reim als angenehme Kunst, der sie unwahrscheinlich zugetan sind. Gedichte sind innerhalb der Erziehung eine positive Möglichkeit, das Kind an die Literatur heranzuführen und den Umgang mit ihr näher zu erläutern.